15.08.2007 14:23 | von Virtuelle
Lesen!
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Allgemeines
Bei der Literatur ist es natürlich wie bei der Musik oder dem Pizzabelag: Sie ist Geschmackssache. Ganz subjektiv empfehle ich aber, kein zu kurzes Buch in den Koffer zu stecken: Sonst ist das Lesevergnügen schon nach kurzer Zeit vorbei – nun panisch den gesamten "Herr der Ringe" einzupacken halte ich aber auch für übertrieben. Es sei denn, Sie fahren eh in wärmere Gefilde und haben außer einem Bikini oder einer Badehose ohnehin nichts im Gepäck. Außerdem sollte die Urlaubslektüre flüssig lesbar, aber nicht banal sein: Die Abhandlung über Residenzen im Mittelalter mag ja wichtig und richtig sein – für einen unbeschwerten Urlaub nehme ich aber andere Sommerlektüre mit. Und was?
Perfekt ist es, wenn der Handlungsort des Buches im jeweiligen Urlaubsland liegt – oder im Traumreiseziel, sollten statt Fernreise drei Wochen Balkonien angesagt sein.
Allen Türkei-Urlaubern sei zum Beispiel "Rot ist mein Name" von Orhan Pamuk ans Herz gelegt: Ein Kriminalroman, nein, eine Liebesgeschichte – oder eher ein
Buch über die Kunst der Buchmaler? "Rot ist mein Name" vereint all das: Im Jahre
1591 wird ein Buchmaler in Istanbul heimtückisch erschlagen – doch der Tote
spricht zum Leser, erzählt vom Mord, verrät aber nicht den Mörder. Ein
sprechender Toter? Das mag absurd klingen, doch in Pamuks opulenter Geschichte
kommen noch ganz andere Stimmen zu Wort, wie etwa ein Bild an der Wand oder ein
Baum, sogar der Tod höchstpersönlich. Mit der verknappten Sprache großen Teilen
der neueren Literatur haben die verschnörkelten und geschwungenen Sätze, in der
die Geschichte erzählt ist, nichts zu tun – dennoch wirken sie nie überladen.
556 Seiten dauert die Suche nach dem Mörder. Bis zur Aufklärung des Falls lernt
man allerhand über die osmanische Kunst der Buchillustration und taucht ein in
die dichten Beschreibungen Pamuks dieser Zeit.
Immer wieder lesenswert, nicht nur für New York-Besucher, ist
der Klassiker "Frühstück bei Tiffany" von Truman Capote. Zwar nicht die eingangs empfohlene dicke Lektüre, aber wer
tatsächlich nach New York reist, hat im Big Apple ohnehin anderes zu tun als zu
lesen. Und für den Rückflug muss dann eben ein zweites Buch eingepackt werden.
Für die Hinreise aber ist "Frühstück bei Tiffany" das ideale Buch. Manchmal
habe ich ja das Gefühl, dass mehr Menschen den zugegebenermaßen wunderbaren
Film mit Audrey Hepburn kennen als das nicht minder wunderbare Buch von Capote.
Dabei ist das Buch deutlicher, frivoler und am Ende auch trauriger als der
Film.
Für alle Lateinamerika-Entdecker habe ich noch "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" von
Gabriel García Márquez im Angebot. Ein epischer Roman über, tja, die Liebe. Großes Wort, großes
Buch: Florentino Ariza liebt Fermina Daza und umgekehrt. Doch die junge
Dame entscheidet sich dann doch für den erfolgreichen Arzt Juvenal Urbino –
aber Ariza kann warten. Einundfünfzig Jahre, neun Monate und vier Tage, um
genau zu sein. Ob die Geschichte ein Happy End hat, sei hier nicht verraten. In
kunstvollen Rückblenden erzählt Marquez von den verschiedenen Formen und Phasen
der Liebe vor der Kulisse Kolumbiens im späten 19. Jahrhundert.
Das sind also die
Bücher, die mich über die vergangenen verregten Sommertage getröstet haben. Als
nächstes steht Ian McEwan auf dem Programm, über "Am Strand"
habe ich nur Gutes gehört. Vielleicht hat ja jemand hier es schon gelesen?
Übrigens: Weitere
Lesetipps gibt es von den Antenne Brandenburg-Moderatoren,
bei Radio Eins,
beim Kulturradio und bei Radiomultikulti.
Ebenso bei Inforadio und speziell für Kinder in der RBB-Fernsehsendung "quergelesen".
Und was sind Ihre Urlaubslesetipps?
Schlagwörter: urlaubslektüre | lesetipps | lesen | sommerbücher


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