10.11.2009 11:22 | von Doro | 7 Kommentare
Kastriert!
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Allgemeines
In der letzten Woche wurde Jack kastriert. Mich hat jemand gefragt, ob das sein musste, nein, natürlich nicht, weil er weder einen Tumor noch sonst eine Erkrankung hat, aber nach Gesprächen und Ratschlägen habe ich mich dazu entschlossen.

Jack hat immer und überall markiert, er ist läufigen Hundedamen hinterhergelaufen, selbst wenn die schon lange weg waren und er wollte eigentlich bei jedem Rüden herausfinden, ob man mit ihm herumtoben, ihn anspringen und intensiv beschnuppern darf. Er wurde ein paar Mal gebissen und hat sich gewehrt, wenn ein Rüde ihm blöd gekommen ist, er war bis auf 2 Mal nicht aggressiv, bei diesen beiden Gelegenheiten war er unglaublich schnell bei der Sache, und ich hatte nicht die geringste Chance, ihn rechtzeitig an die kurze Leine zu nehmen. Es waren jeweils vielleicht 2 oder 3 Sekunden, dem Angriff muss ja irgendeine Art von Kommunikation vorausgegangen sein, ich habe den anderen Hund natürlich beobachtet, konnte aber die Signale nicht so schnell deuten wie Jack.
Jack ist ein impulsstarker Hund, er hat eben einen lebhaften und verspielten Charakter, und gerade die Übungen, die ihm eine Impulskontrolle abverlangen, klappen immer wieder mal gar nicht, also da lernt er nur in sehr sehr kleinen Schritten. Er wird seine Lebhaftigkeit auch nach dem Eingriff behalten, es wird also seine Persönlichkeit nicht beeinträchtigen. Nur der Trieb fällt dann weg, und der hat ihn von seiner Aufgabe als Diabetesspürhund deutlich abgelenkt. Es kann natürlich sein, dass all das meine Schuld ist, und das all diese Impulsgeschichten mit kontinuierlicher Erziehung irgendwann auch so vom Tisch sind, aber mir war das Risiko zu hoch, dass er so bleibt, egal was ich mache. Und eine Kastration sollte beim Hund in jungen Jahren erfolgen, weil die Verhaltensweisen sonst zu tief eingeprägt sind und beibehalten werden, auch wenn das Testosteron fehlt.
Ich finde das
okay, er ist ein Hund und kein Mensch mit einer komplexen Sexualität. Obwohl, da fällt mir ein, "Wenn der wüsste!" hat die Ärztin gesagt, als Jack schon torkelnd, aber fröhlich und neugierig wie immer in das OP-Zimmer geschwankt kam – die Vermenschlichung liegt eben nahe, sogar beim Fachpersonal, gerade in einer dermassen durchsexualisierten Welt wie der unseren. Aber Jack wird nichts vermissen, er hat kein Selbstbewusstsein, er ist ein Tier! (Das Ausrufezeichen hab ich für mich selber dahingesetzt)
Er hatte natürlich keine Schmerzen und hat sich nach nur einem halben Tag an den
Trichter gewöhnt, den er bis bis zur Heilung tragen muss. Ich habe nur
wegen diesem Schutzkragen ein bisschen schlechtes Gewissen, weil er
damit gelegentlich an Türen hängenbleibt (Daher die Klebestreifen) und seine Nase gerade nicht in jeden
Winkel stecken kann, seine Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt.
Schlagwörter: impulskontrolle | kastration | sexualität


Kommentare (7)
Ursi meinte am 11.11.2009 09:01 Permalink
oh jeee der arme Jack....
Diese Trichter sind wirklich alles andere als praktisch :(
(auch wenn in gewissen Situationen nötig...)
Wünsche Jack eine schnelle "Heilung" und das dieses
nervige "Ding" bald möglichst wieder runter kommt und
er dann seine Nase wieder uneingeschränkt überall
reinstecken kann :)
Gruss
Ursi
Doro meinte am 11.11.2009 10:08 Permalink
Werde ich ausrichten. Er war schon am nächsten Tag wieder gut drauf und verspielt wie immer, und wenn ich mit dem Trichter komme (weil er mal allein zu Hause bleiben muss) schlüpft er schon selber hinein, die Dinger stören wohl wirklich nicht sooo dolle.
Boxer-Malinois & Irish Terrier meinte am 12.11.2009 08:33 Permalink
Lieber Jack,
am Montag wurde ich bei genau derselben Tierärztin kastriert. Nicht, weil ich mehr gemacht hätte als Nase an Nase oder mit meinem Kopf auf ihrem Rücken mit meiner Liebsten im Stroh zu liegen. Sondern weil diese doofen Menschen nicht wollen, dass wir uns vermehren wie die Kaninchen, sagen sie. Ich versteh das alles nicht, ich bin doch erst neun Wochen alt!
Als ich aufgewacht bin, waren da unten so doofe Fäden, die habe ich mir natürlich sofort wieder rausgezogen. Stattdessen hat mir die Tierärztin dann Metallklammern reingejagt. Das geht ja gar nicht, die habe ich über Nacht natürlich auch rausgeknabbert. Also haben die mich doch glatt am nächsten Tag noch Mal zur Tierärztin gebracht und jetzt bin ich das einzige Kaninchen, das jemals ihre Praxis mit einem Kragen verlassen hat. Jawohl. Den kleinsten den sie hatten mussten sie noch kleiner machen und meine Ohren da durchziehen - zum Glück hab ich Hängeohren, aber es ist trotzdem furchtbar. Ich weiß, was Du durchmachst, Großer!
Liebe Grüße und gute Besserung von einem, den Du womöglich zum Fressen gern hättest...
Alex
Doro meinte am 12.11.2009 23:34 Permalink
Es ist schade, dass Du nicht an der Leine spazierengeführt wirst, liebes Kaninchen, mit Deinem Trichter! Jack könnte Dir ein paar Tips geben, nach ein paar agen hat er seinen Kopf schiefgelegt, um durch Türen durchzukommen, leider ohne Erfolg, dann hat er bemerkt, dass er rückwärts überall durchpasst, weil der Trichter dann nicht hängenbleibt. Wie ein Kellner mit einem Tablett öffnet er jetzt Türen mit seinem hinteren Ende.
Matthias meinte am 07.12.2009 14:48 Permalink
Hallo Doro,
ich lese schon länger Deinen Blog und finde ihn sehr gut und informativ. Ich habe eine Frage. Es ist ja nun fast einen Monat her das Dein Hund kastriert wurde.
Würdest Du sagen, sein Wesen und Verhalten hat sich durch den Eingriff mittlerweile geändert?
In meinem Forum haben wir öfter die Diskussion und kommen dort zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Sache.
Es wäre schön, wenn Du noch mal berichten könntest ob es da Veränderungen gibt.
Doro meinte am 09.12.2009 12:18 Permalink
In den ersten beiden Wochen hat sich gar nichts verändert, auch sein Interesse am anderen Geschlecht war noch deutlich. Was ich gar nicht wusste: Kastrierte Rüden "können" noch 6 Wochen lang, bis das letzte Testosteron verstoffwechselt ist.
Inzwischen hat er mit dem markieren fast aufgehört, er tut es nur noch gelegentlich, also vielleicht so 3 Mal beim halbstündigen Spaziergang, und im direkten Kontakt mit einem anderen Rüden, vor allem, wenn der aggressiv reagiert. Früher hat er alle 3 Meter ein Zeichen setzen wollen, das ist ein großer Unterschied.
Sein Interesse an läufigen Hündinnen ist auch verschwunden, allerdings gibt es zur Zeit ja auch nicht so viele davon. Er wird weiterhin beschnuppert, wenn er hunde trifft, aber bisher sind mir keine ungewohntes verhalten aufgefallen, man hört ja, dass andere Rüden die Kastraten besteigen wollen oder so, weil sie das geschlecht nicht zuordnen können - haben wir nicht erlebt, nur Desinteresse und fehlendes Rang-Getue.
Zuhause ist er ein bisschen verschmuster geworden, er holt sich das Rückenkraulen jetzt richtig ab wie eine Katze, das ist aber auch der einzige Unterschied, ansonsten ist sein Charakter unverändert, also lebhaft, verspielt, neugierig und seeehr unternehmungslustig :))
Matthias meinte am 08.01.2010 11:49 Permalink
Vielen Dank für Deine Rückmeldung. Deine Beschreibungen sind sehr Interessant. Einige Leute aus meinem Hundeforum berichten ähnliches aber einige wenige meinten auch es hätte keine Veränderungen gegeben was ich eigentlich nicht wirklich glauben kann, denn Hormone haben eben einen großen Einfluss auf das Wesen. Das ist ja bei uns Menschen nicht anders :)
Ich verfolge Deinen Blog und Werdegang mit vergnügen weiter.
Eine Frage noch. Besteht die Möglichkeit mein Hunde Forum in Deinen Blogroll mit aufzunehmen. Das würde mich total freuen.