13.06.2010 19:45 | von Ulrich Reimann | 1 Kommentar
Australische Fans entspannen in Zeltstadt am Indischen Ozean
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350 Zwei- und Dreibettzelte auf dem Rasen eines ehrwürdigen Cricketstadions mitten in Durban, hier haben sich über 1000 australische Fußballfans während der WM einquartiert. Hochmoderne Technik sorgt für Sicherheit in dem komplett umzäunten Stadion: Jeder Zeltbewohner muss seinen Fingerabdruck hinterlassen, biometrische Einlasskontrollen stellen sicher, dass nur der ins Stadion kommt, dessen Daten erfasst sind, fremde Besucher sind nicht erwünscht.

Die Orientierung in der Zeltstadt ist einfach: Die einzelnen Zeltreihen haben Namen von berühmten australischen Stränden bekommen, der "Mark Viduka Drive" ist benannt nach dem Kapitän der australischen Fußball-Nationalmannschaft, die 2006 bei der WM in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat.

Noch schnell entspannen vor dem Spiel gegen Deutschland, vom Sieg darf ja mal geträumt werden! Zelten in Südafrika im Winter, das geht am Indischen Ozean besonders gut. Durban ist "The warmest place to be 2010!" und die Eigenwerbung stimmt. Thermojacke und Handschuhe habe ich in Johannesburg gelassen, bei tagsüber 24-28 Grad ist das T-Shirt angemessen.-
Die Zeltstadt ist perfekt ausgestattet: Internet, 107 mobile Duschen, Toiletten, eine Bar, der Unterhaltungsbereich mit einem großen Zelt, in dem auf großen TV-Bildschirmen die WM-Spiele übertragen werden und eine Bühne, auf der am Wochenende australische Bands aufgetreten sind, hier kann man es aushalten!

Die Brüder Jamie und Nick kommen aus Melbourne. Jamie (links), der in Melbourne als Barkeeper arbeitet, war schon bei der WM 2006 in Deutschland dabei und hat in Kaiserslautern in einem Hotel gewohnt. "Die Atmosphäre hier ist aber besser, auch wenn es nicht ganz billig ist", sagt Jamie. 4000 Euro für die Eintrittskarten zu den drei australischen Spielen, die Bustransfers in die Stadien, 3 1/2 Wochen Unterkunft in der Zeltstadt incl. Frühstück, die Flüge kommen noch extra.

Stahlbetten, Matratzen, Betttücher, Laken und eine wiederaufladbare Lampe gehören zur Grundausstattung, alle 5 Tage werden die Betten mit neuen Laken bezogen.

Fußballfans und Ordnung, da prallen Welten aufeinander! Jamie und Nick finden schon nach drei Tagen im Zelt nur eines auf Anhieb: Ihre Eintrittskarten!

Die Fressmeile hat rund um die Uhr geöffnet. Wer hungrig aus dem Stadion zurückkehrt, wird versorgt auch wenn er keine Edelküche erwarten kann.

Das Spiel der Gruppengegner Ghana und Serbien wird noch im Camp geguckt, dann geht's zu Fuß in einer einmaligen Fan-Karawane mit ca. 1200 Australiern ins nahe gelegene Moses Mabhida Stadion.

Etwas skeptisch der Blick kurz vor dem Anpfiff: Der Spion aus Passau im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft besucht mit mir das "Camp Australia". Raphael Heuwieser inmitten von "Socceroos" in gelb-grünen Nationaltrikots, ob das gut geht?

Aufatmen und ein ganz entspanntes Gruppenbild: Die Australier stapeln tief, gehen von einer Niederlage gegen Deutschland aus und hoffen auf ein Unentschieden. Fußball-Feindbilder sehen anders aus!

Die Zeltstadt liegt verlassen da, die Fans haben ihren Abmarsch Richtung Stadion begonnen. Zurück bleibt das Känguruh.
Alter schützt vor Fußball nicht: Jean (73) und Charles (72) kommen aus Sydney. Ihr Quartier ist eigentlich in Kapstadt, zum Spiel sind sie nach Durban geflogen und um 1.00 Uhr in der Früh geht es nach dem Schlußpfiff wieder zurück."Fußball, das ist schon spannend", sagt Jean. "Aber eigentlich wollen wir unser Geld hier ausgeben, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln und etwas gegen die Armut zu tun" ergänzt Jean voller Überzeugung.

Und wer bislang noch Originaliät vermisst hat, der wird auf der Toilette im Kingsmead-Stadion fündig: Alles Fußball oder was?

Der Spion aus Passau ;-)!
Toller Blogpost, danke!
Gesendet von Fabian Heuwieser am 15.06.2010 20:31 #