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Reaktionen auf den Mißbrauchsskandal

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Der vor zehn Tagen bekannt gewordene Missbrauchsskandal am Canisius-Kolleg schlägt weiter hohe Wellen. Bisher haben sich mehr als dreißig Opfer gemeldet und täglich werden es mehr. Am heutigen Sonntag kommt im Erzbistum Berlin keine Gemeinde an diesem Thema vorbei. Deswegen heißt es: Ansprechen - nicht mehr verdrängen. Nicht leicht, denn die Fassungslosigkeit über Skandal deutlich zu spüren. In der Herz-Jesu-Kirche in der Fehrbelliner Strasse in Prenzlauer Berg kommen besonders viele Familien mit Kindern zum Gottesdienst. Es ist keine einfache Zeit für die Gläubigen.

Pater Gerold Jäger sucht immer wieder nach den richtigen Worten. Beim Taufgottesdienst wird das heikle Thema nur zweimal kurz erwähnt: Es gibt eine Fürbitte für die Missbrauchsopfer - die erst nach Jahrzehnten die Mauer des Schweigen durchbrachen. Zölibat, eingeschworene Gemeinschaft und die strenge Sexualmoral, handelt es sich um ein speziell katholisches Problem? Den Missbrauch verurteilen hier alle, aber warum es soweit kommen konnte, darauf gibt es keine einheitlichen Antworten. Die Meinungen gehen auseinander. Der Skandal um das Canisius-Kolleg wird die katholischen Gläubigen noch lange beschäftigen.

 

Kommentare:

Kindesmißbrauch gab es immer und auch in allen Gesellschaftsschichten.
Kindesmißbrauch wird es auch immer geben.
MMn ist es zu kurz gedacht, dass Zölibat als einen Grund für diesen Mißbrauch zu sehen.

Viele der Straftäter sind Familienväter.

Gesendet von rg am 07.02.2010 19:38 #

Es gibt einen sehr sehenswerten Film zum heiklen Thema Kindesmissbrauch, den ich nachdrücklich all denen empfehlen möchte, die sich einmal intensiver mit dem Thema auseinander setzen möchten. Er zeigt die Spätfolgen von Missbrauch und die Probleme der Heranwachsenden in einer poetischen Bildsprache ohne das Thema zu verharmlosen. Gleichzeitig steht nicht der Fingerzeig auf die Schuldigen im Mittelpunkt, sondern der Umgang der Betroffenen mit ihren verdrängten Gefühlen. Absolut sehenswert!

Gesendet von Mysterious Skin - Ein Film zum Thema am 07.02.2010 23:28 #

Ich würde schon sagen, dass es sich um ein "katholisches Problem " handelt, und dass in der kath.Kirche über Abschaffung des Zölibats nachgedacht werden muss, was m.M.n. schon ein Auslöser ist.

Was ich hier ganz schlimm finde, ist die Verurteilung der Kirche im allgemeinen durch die Springerpresse und Medien.

Es ist eine schlimme Sache, was den Missbrauch betrifft, die ich als Katholik verurteile.

Es muss dringend über das Warum und Weshalb gesprochen werden.

Ich als Christ stehen diesen Dingen sehr hilflos gegenüber, weil es nicht in meiner Macht steht was zu ändern. Die ganze Gemeinschaft der Katholiken muss sich hier zusammentun mit den Opfern und Tätern reden , nach den Ursachen suchen und eine Lösung finden.

Ich bin mir aber sehr sicher, dass man aufgerüttelt ist, hier im Bistum und auch in Rom, man kann jetzt nicht mehr die Augen verschliessen. Dass ist, wenn ich das so sagen darf, das einzige positive an der Sache.

Ansonsten gebe ich @rg völlig Recht.
Es wird immer Kindesmissbrauch geben. In allen gesellschaftlichen Schichten.

Gesendet von Toska am 08.02.2010 11:19 #

Hallo ihr Blogbande.

Ich halte das natürlich nicht für ein katholisches Problem.
Mißbrauch...das Wort schon ist meiner Ansicht nach falsch, setzt es den Gebrauch doch voraus...brrrr...

Vergewaltigung, Folter, sexuelle Nötigung, das trifft dieses Verbrechen besser.

Wäre es ein katholisches Problem, gäbe es keine Vergewaltigung (von Kindern) in islamischen, jüdischen, hinduistischen usw. Kulturen.
Dort ist es aber ebenso vorhanden.

Ich glaube auch nicht, dass es das Zölibat ist, was die Männer dazu treibt.

Pädophilie ist eine Paraphilie die jeden treffen kann. Das heisst um Himmels Willen nicht, dass es das entschuldigt. Wir ächten die Täter, erinnert sich noch jemand an die Anfänge des Projekts der Charité für diese Männer?
Leider sind die nicht (immer) heilbar. Die Hemmschwelle aber sich helfen zu lassen muss extrem hoch sein.

Was an diesen diesen Verbrechen aber christlich (nicht nur katholisch) ist: die Bigotterie, mit der damit umgegangen wird. JETZT tun uns die damaligen Kinder, heute Erwachsenen Männer leid.
Wie kann es in unserer (ach so modernen) Zeit sein, dass Männer nicht darüber sprechen (konnten)?

Diese hinterf**** Art, jetzt Verständins zu zeigen und Jahre, Jahrzehnte diesen Opfern in einer doch ach so christlichen Welt allein zu lassen, das ist die eigentliche Schande daran.
Damit ist mit Sicherheit nicht allein Kirche gemeint.
Was heisst für uns denn christlich?
"ManN spricht nicht d'rüber, wenn man schwach ist" "ManN redet nicht über 'solche' Dinge"

Wie wäre es denn mal mit:MaNN ist ein Mensch.
Ich denke an all die Männer, die von ihren Vätern, Onkeln, Nachbarn, Lehrern, Ausbildern zum Opfer gefallen sind und fallen...

Na, wenn schon die Vergewaltigung der Frau zu oft dazu führt, zu sagen "sie hatte ja...an" "Sie hat ihn wohl heiss..."
brauche ich wohl nicht erwarten, dass man endlich begreift, dass diese sexuellen Handlungen nix mit Sex sondern mit Macht zu tun haben....

Toska

Hallo. Ein Kaffee für Sie, heute nur mit Keksen (Marzipan muss weg)

"Ich bin mir aber sehr sicher, dass man aufgerüttelt ist, hier im Bistum und auch in Rom, man kann jetzt nicht mehr die Augen verschliessen. Dass ist, wenn ich das so sagen darf, das einzige positive an der Sache."

Ich sehe das komplett gegenteilig.

Rom reagiert auf HIV mit Ignoranz. Rom wird sich jetzt äussern und es wird (nicht nur dort) genau so weitergehen.
Es sind (leider) die Medien, wie auch die Springerpresse (dass ich das mal schreibe, hätte ich mir auch nicht träumen lassen), die diese Kinderquälerei publik gemacht haben, nicht Pressestellen von Kirchen.

Uschi Kowalski

Gesendet von Kowalski am 08.02.2010 12:50 #

@rg - es gibt durchaus auch Mütter die ihre Kinder missbrauchen.

Die katholische Kirche ist bestimmt für vieles Leid in dieser Welt verantwortlich. Nur Kindesmissbrauch macht nicht halt vor einer Glaubensbekenntnis.
Die Mauern dahinter kann man überall finden.

Die Ursachen liegen immer in den Wurzeln einer Gesellschaft.
Und die haben sich über Generationen stetig geändert.

Nur verwunderlich, dass erst Jetzt damit an die Öffentlichkeit gelangt wird. Nachdem die Verjährung eintritt.
Wie so immer, wird dies nur die Spitze des berühmten Eisbergs sein.

Im tagesspiegel gab es vor einiger Zeit ein Bericht über die Modebranche. Models werden nicht nur immer dünner , sondern auch immer jünger.

Die Spitze des Eisbergs in der Promiwelt ist derzeit Polanski, der weltbekannte Regisseur. Ebenfalls nach über 30 Jahren unter dem Teppich hervor gekehrt. Passiert ist das Ganze damals im Haus von Jack Nicholson
-> http://www.blick.ch/news/ausland/verbotener-sex-im-jacuzzi-von-jack-nicholson-129593

Die Stimmen aus der Promiwelt waren alles andere als empörend, eher solidarisch für Polanski.

Ich sehe da keinen großen Unterschied, außer dass eine selbsternannte Kaste dies unter Verjährung abzubuchen scheint.
Der Rest ist Schweigen und Nebel.
Solche Spuren machen nicht halt vor Landesgrenzen und (nicht) vor politisch und wirtschaftliche Klassen.

Gesendet von Rauchzart am 08.02.2010 14:17 #

und wie sehen Sie das hier:

"Samantha Geimer hat Polanski vor Jahren verziehen. 'Er hat einen schlimmen Fehler gemacht', sagte die Mutter von drei Kindern, 'aber er hat dafür bezahlt. Lasst ihn zurück in die USA.'" (quelle: link in Ihrem kommentar)

??

Gesendet von 1704 am 08.02.2010 16:35 #

Schlimm finde ich, dass über 30 Jahre geschwiegen wurde und die Taten als verjährt gelten. Die Opfer bekommen also in keiner Weise Gerechtigkeit. Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Katastrophe.
Damals hätte ihnen eh keiner geglaubt. Anfang der 80er und vorher... Wem hätte man geglaubt, einem Kind oder einem angesehenen katholischen Priester?

Seit wann ist der Besitz von Kinderpornos verboten? Seit wann ist die Vergewaltigung in der Ehe eine Straftat? Alles in den 90ern...
Ich denke wir leben endlich in einer Gesellschaft des Hinsehens - jedenfalls in diesem Bereich.
Ich persönlich bin gespannt, ob die Täter weiterhin in der "kirchlichen Gemeinschaft" arbeiten dürfen oder ob Sie endlich ausgeschlossen werden.

Gesendet von lookielookie am 09.02.2010 09:12 #

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