18.02.2010 19:38 | von Stefan Lippeck | 14 Kommentare
Zwischenbericht zum Missbrauchsskandal
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Allgemeines
Mindestens 115 Schüler sollen seit den 50er Jahren an Schulen des Jesuitenordens in Deutschland missbraucht worden sein. Die sexuellen Übergriffe seien nicht nur vereinzelt, sondern systematisch gewesen, sagte die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens, die Rechtsanwältin Ursula Raue, am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Zwischenberichts in Berlin. "Was über uns hereingebrochen ist, hat eine Dimension, die nicht abzusehen war."
Allein vom Berliner Canisius-Kolleg hätten sich bis zu 50 Opfer gemeldet. Darüber hinaus hätten sich Vorfälle in Hamburg, Hannover, Göttingen, Bonn und St. Blasien ereignet. Insgesamt sprach die Rechtsanwältin von zwölf Jesuiten-Patres als Täter. Zudem gebe es neun Beschuldigungen gegen Lehrer an anderen katholischen Schulen, sagte Raue. Unter den mutmaßlichen Tätern seien dabei auch vereinzelt Frauen. Auch ein Hinweis zu einem Missbrauch in der evangelischen Kirche sei ihr zu Ohren gekommen. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz wollte am Donnerstag zu dem Bericht keine Erklärung abgeben.
Raue hat nach eigenen Angaben seit Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe am Berliner Canisius-Kolleg Ende Januar zahlreiche Gespräche mit Missbrauchsopfern aus den 50er bis 80er Jahren geführt. Zudem habe sie in den Akten über die beiden beschuldigten Patres Wolfgang S. und Peter R. recherchiert. Dort habe sie Notizen gefunden, dass die Schulleitung des Canisius-Kollegs spätestens seit Mai 1981 von Übergriffen im Fall Peter R. wusste. Allerdings würden die Vergehen nur am Rande angesprochen. Im Fall des Paters Wolfgang S. habe sich unter anderem ein Schreiben aus dem Jahr 1967 gefunden, in dem er berichtete, dass ihm "mehrfach die Hand ausgerutscht" sei, "auch dort, wo es nicht unbedingt notwendig gewesen wäre".
Die Vorwürfe gegen S. beziehen sich nach Angaben Raues auf körperliche Gewalt. Er soll Schüler, die zum Teil unbekleidet waren, geschlagen haben. Die "sexuell-sadistische Komponente" dieser Bestrafungen sei vielen Opfern damals nicht bewusst gewesen, sagte Raue. Es sei aus den Akten nicht erkennbar, weshalb Wolfgang S., der sich mehreren Therapien unterzog, immer wieder als Lehrer, insbesondere als Sportlehrer eingesetzt wurde, so Raue. "Es kann nur vermutet werden, dass man der Ansicht war, die Therapien würden die Probleme des Wolfgang S. lösen."
An den Jesuitenschulen habe es sich bei den Übergriffen bisher nicht um Fälle schwerer Gewalt oder brutaler Vergewaltigung gehandelt, sondern um "Anfassen, Streicheln oder Selbstbefriedigung". Raue sprach sich für die zügige Aufklärung der Fälle aus. Es sei notwendig, einen Arbeitsstab für die Aufarbeitung der Vorgänge an den einzelnen Schulen und Internaten einzurichten. Es müsse geklärt werden, welche institutionellen Fehler gemacht wurden. Zudem müssten Modelle entwickelt und institutionalisiert werden, mit denen Missbrauch in Zukunft verhindert werden könne. Die Rechtsanwältin forderte daher die Einrichtung von Ombudspersonen als Ansprechpersonen für Schüler.
Erste Missbrauchsvorwürfe waren Ende Januar durch den Leiter des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, bekannt gemacht worden. Mertes hatte sich mit einem Brief an rund 500 frühere Schüler seines Gymnasiums gewandt, nachdem sich bis dahin insgesamt sieben Opfer sexuellen Missbrauchs durch zwei Patres bei ihm gemeldet hatten. Die Vorfälle ereigneten sich den Angaben zufolge in den 70er und 80er Jahren.


im moment sind die Berliner mit der eiskatastrophe beschäftigt, zumal die s-bahn immer noch unregelmäßig fährt, da können sie sich nicht auch noch gedanklich mit dem sexuellen mißbrauch von kindern und heranwachsenden beschäftigen. zumal es dabei ja auch noch zu allem überfluß um die (katholische) kirche geht. wichtiges thema, falscher zeitpunkt, vermute ich mal. es wäre natürlich etwas ganz anderes, wenn daran auch Klaus Wowereit schuld wäre, dann würden sich hier die kommentare natürlich überschlagen...
Gesendet von 1704 am 18.02.2010 23:31 #
1704,
fällt Ihnen außer blogger-Schelte auch was zum Thema ein?
Und womit sich die "Berliner" gedanklich beschäftigen, entzieht sich (glücklicherweise) nun doch Ihrer Kenntnis.
Gesendet von nana am 19.02.2010 06:20 #
Hallo Taubären
"Erste Missbrauchsvorwürfe waren Ende Januar durch den Leiter des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, bekannt gemacht worden. Mertes hatte sich mit einem Brief an rund 500 frühere Schüler seines Gymnasiums gewandt, nachdem sich bis dahin insgesamt sieben Opfer sexuellen Missbrauchs durch zwei Patres bei ihm gemeldet hatten"
Dann korrigiere ich mich.
Ich hatte in dem anderen Thread geschrieben, dass es nicht Kirche war, die das publik gemacht hatte.
Es ist mutig von Hernn Mertes damit an die Öffentlichkeit (nix anderes passiert, wenn er initiativ ehemalige SChüler anschreibt) zu gehen.
Respekt, denn (auch) in Kirchenkreisen ist Mißbrauch noch immer tabuisiert.
1704
Ein weiteres Hallali
Was soll das denn?
Meckert der Berliner über das S Bahn Chaos, kritisieren Sie, meckert er über Wowereits undiplomatisches Verhalten ggüber dem Berliner, kritisieren Sie. Nun behaupten Sie, die Gedankenwelt der Berliner (meckerer) zu kennen.
Wieso setzen Sie jetzt etwas in Realation zueinander, wenn Sie dies an anderer Stelle kritisieren?
Ich bin mit Sicherheit nicht die, die Ihre Beiträge permanent als nervig empfindet, auch wenn Ihre Oberlehrerart manchmal schon seltsam ist, aber ist es Ihr 'Ziel' permanent in Opposition zu gehen, egal zu was?
Einerseits kritisieren Sie, dass die AS sich um so 'Unwichtigkeiten' wie das forkommen berichtet, andererseits passt Ihnen dieses Thema auch nicht?
Uschi Kowalski
Gesendet von Kowalski am 19.02.2010 08:49 #
Tja und leider alles verjährt :-(. Die Gesetzgebung sollte diesbezüglich verändert werden.
@nana
Manch einem ist das Schwadronieren eben Lebenselixier.
Gesendet von karla am 19.02.2010 09:23 #
Es stellt sich die Frage, wie kann so etwas verhindert werden?
Es gab Zeiten, wo sich Eltern, Kindergarten und Schule darüber uneinig waren, wer für die Sexualerziehung (Aufklärung) zuständig ist.
Ein großes Tabu!!
Wer mit offenen Ohren durch Deutschland geht und heute mal genau hinhört, wie sich ca. Zehnjährige zu diesem Thema äußern der merkt sofort, verbal überaufgeklärt, in der Sache Fehlanzeige.
Was machen hauptsächlich die Eltern im Kern falsch?
Generell glauben hauptsächlich die Mütter, dass sie Ihre Kinder beschützen müssen.
Ihnen ist es sehr schwer zu vermitteln, dass der beste Schutz für das Kind ein gesundes Selbstvertrauen ist.
Die Täter suchen nämlich keine Gegner, sondern Opfer!
Und die Täter haben die Fähigkeit, relativ schnell rauszubekommen, welches/r Kind (Schutzbefohlener) sich dafür besonders gut eignet.
Selbst wenn der Missbrauch vollzogen worden ist, haben die betroffenen Kinder im Elternhaus keine Möglichkeit, sofort darüber zu reden. Wie hier zu sehen ist, vergehen über 30 Jahre und einige Betroffenen können erst jetzt darüber sprechen.
Ich stelle mir die Frage, was haben die Eltern im familiären Bereich gemacht, dass ihr eigenes Kind solche Vorfälle nicht sofort offen in der Familie ausgesprochen hat?
Es war im Zusammenhang mit freigelassenen Sexualstraftätern mal kurz angeklungen, dass die Polizei auch den Eltern eine Mitschuld gibt, weil das Thema im häuslichen Bereich unverantwortlich unter den Teppich gekehrt wird.
Es ist also nicht so wichtig, Täter zu bestrafen, sondern Kinder selbstbewusst in der Entwicklung zu unterstützen und immer die direkte Anlaufstelle für offene Ohren zu sein.
Wer das als Eltern konsequent umsetzt, der braucht sich bei seinem Kind um solche hier im Beitrag genannten Missbräuche keine Sorgen zu machen, denn es kommt sofort an das Licht.
Übrig bleiben die brutalen Vergewaltigungen, gegen die sich kein Kind wehren kann, die sich aber in der Anzahl auf sehr niedrigem Niveau bewegen.
Gesendet von Blickwinkel am 19.02.2010 10:53 #
Blickwinkel
Hallo an diesem Tag vor dem Wochenende
Na, Ihr Blickwinkel scheint heute sehr skuril.
Ein Kind wird NIE nur von Eltern erzogen.
Ein Sprichwort in Afrika lautet" um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf"
Thats it.
Natürlich sind Eltern in Erziehungsfragen (hoffentlich) erster Ansprechpartner. Schule, Kita, Freunde, deren Eltern, die Menschen auf der Strasse (die auch als Erwachsene manchmal eine Sprache und Verhalten pflegen, da graust es einem), überall lernt und sozialisiert sich das Kind.
Da können Eltern noch so aufklärend wirken, wenn das Kind von anderen Seiten erfährt, dass ihm/ ihr nicht geglaubt werden könnte, dann sind die besten Eltern machtlos
"Es ist also nicht so wichtig, Täter zu bestrafen, sondern Kinder selbstbewusst in der Entwicklung zu unterstützen und immer die direkte Anlaufstelle für offene Ohren zu sein."
Jetzt schlägts aber 13...manmann.
Es ist sehr wohl wichtig, Täter zu bestrafen. Und zwar auch, um dem Opfer eine gewisse Genugtuung zu verschaffen.
"Übrig bleiben die brutalen Vergewaltigungen, gegen die sich kein Kind wehren kann, die sich aber in der Anzahl auf sehr niedrigem Niveau bewege"
SÄMTLICHE Übergriffe auf Kinder (und Frauen) sind brutale Vergewaltigungen. Sexuell und/ oder an der Seele.
Uschi Kowalski
Gesendet von Kowalski am 19.02.2010 11:42 #
@ Blickwinkel meinte am 19.02.2010 10:53
Sie sollten mal ihren Blickwinkel veränderen.
Die mögliche Mitschuld der Eltern bezog sich auf einen Fall und nicht auf "freigelassene Straftäter".
Jeder ermittelte Straftäter wird bestraft, anders gehts in der Welt nicht.
Ihre Einschätzung der "Canisius-Fälle" geht wohl an der Wirklichkeit vorbei.
Gesendet von rg am 19.02.2010 12:13 #
@Blickwinkel
Also was mein Kind mir erzählt und was nicht, dass mag nicht nicht beurteilen. Ich hoffe, genügend. Wo fängt es denn an, das aufklären? Im Kindergartenalter, wo man dem Kind erklärt, wer ihm helfen darf, den Popo zu putzen?
"Wie hier zu sehen ist, vergehen über 30 Jahre und einige Betroffenen können erst jetzt darüber sprechen." - Weil den Kindern mit verschiedenen "Sanktionen" auch "Tadelfreiheit" versprochen wurde und diese eben keinen sexuellen Hintergrund sahen.
Kowalskis letzter Satz ist eine Tatsache, Ihr Einwurf:
..."Übrig bleiben die brutalen Vergewaltigungen, gegen die sich kein Kind wehren kann, die sich aber in der Anzahl auf sehr niedrigem Niveau bewegen." ...
Kann ja wohl nicht ernst gemeint sein? Körperlich und seelische Gewalt ist nicht ohne Grund verboten.
Kennen Sie nicht mehr Bettina Wegners Lied?
http://www.youtube.com/watch?v=fcdkwdfz0GA
Gesendet von karla am 19.02.2010 12:32 #
@Kowalski meinte am 19.02.2010 11:42
"...Ein Kind wird NIE nur von Eltern erzogen."
Um es ganz kurz zu machen:
Wenn im Elternhaus das Kind in eine "quasi" Opferrolle hineingedrängt wird, dann spielt das Kind diese Rolle fast mit Perfektion. Der BA-Beitrag zeigt das deutlich mit dem Schweigen über die Jahre.
"...Da können Eltern noch so aufklärend wirken, wenn das Kind von anderen Seiten erfährt, dass ihm/ ihr nicht geglaubt werden könnte, dann sind die besten Eltern machtlos"
Wenn das Kind von anderen Seiten negativ beeinflussbar ist, fehlt es dem Kind an Selbstvertrauen und einer funktionierenden Familie!
Die Machtlosigkeit der Eltern hat ganz andere Ursachen!
"...SÄMTLICHE Übergriffe auf Kinder (und Frauen) sind brutale Vergewaltigungen. Sexuell und/ oder an der Seele."
Verhüten statt Heilen ist der Schlüssel zum Erfolg!
Was glauben Sie, wieviele Missbrauchsübergriffe in allen Berliner Schulen heute stattfinden?
Wissen werden wir es, wenn wir so weitermachen, erst in über 30 Jahren!!
Trotzdem ein schönes Wochenende.
Gesendet von Blickwinkel am 19.02.2010 12:51 #
Kennen Sie "Dunkelziffer"?
Wenn an erster Stelle die Bestrafung steht, dann bestrafen Sie mal alle Täter, die sich in der "Dunkelziffer" verbergen.
Mir ist es lieber, das Kind in Zukunft vor diesem Unheil zu beschützen.
Das Täter bestraft werden müssen, habe ich nie in Abrede gestellt.
Die Prioritäten sind bei mir etwas anders!!
Gesendet von Blickwinkel am 19.02.2010 13:50 #
Die Kirche muss sich intensiver damit auseinandersetzen, welche ihrer eigenden Strukturen Missbrauch begünstigt.
Auch um die grundsätzliche Frage, wie zeitgemäß das Zölibat noch ist wird sie nicht drum herumkommen.
Die zölibatäre Lebensform ist sicher nicht an allem schuld. sexueller Missbrauch gibt es auch in den Familien und an anderen normalen Schulen , jetzt , heute , in dieser Stunde.
Was mich ankotzt ist diese Medienhype.
Gesendet von Toska am 19.02.2010 16:56 #
Die Vertuscher gehören vor das Gericht.
Gesendet von Helen am 19.02.2010 22:31 #
In den USA hat der Jesuiten-Orden schon mal vorsorglich Insolvenz angemeldet.
Sollten nämlich unter den Canisius-Opfern US-Bürger sein, dann kann das sehr, sehr teuer werden.
Ganz unabhängig von der Verjährung der Straftat.
Gesendet von Hernando am 22.02.2010 13:04 #
@ Hernando (22.02.2010 13:04)
es schadet nichts und nützt recht viel, wenn man die quelle nennt, auf die man sich bezieht!
z.b. siehe link
Gesendet von 1704 am 22.02.2010 20:58 #